Hendrik Brückner

 

-fotografie -

 

 

Fotos

 

Sa. 04.09.2010

viel zu wenig geschlafen und viel zu früh aufgestanden.

 

Die AKN kam auch noch zwei Minuten zu spät, was nicht unbedingt schlimm ist, da ich noch genug Zeit in Eidelstedt hatte, aber die allgemeine Stimmung war sowieso schon etwas angespannt. ob das alles so hinkommt mit den Zeiten, und ob das wirklich alles klappt mit und auf der Fähre. Ich hab ja vorher eigentlich nur ne Mail gekriegt mit den Zeiten wann sie losfährt, ne Buchungsnummer, und das sie von Esbjerg fährt. Naja, Ich hab ja vorher schon geschaut wo sie losfahren soll, allerdings hat mich etwas stutzig gemacht das auf der Marinetraffic Seite das Schiff immer woanders anlegt, also nicht da, wo es sein soll. Aber das wird schon.


Die Zugverbindungen haben alle ganz gut hingehauen, mit der S21 zum Hauptbahnhof, dort dann n bisschen Zeit, Zigaretten am Hauptbahnhof gekauft, runter zum Bahnsteig und dort zum Zug nach Kiel, den ich noch von früher ganz gut kenne. Auf dem Bahnsteig noch in den Kiosk und ne Flasche Wasser gekauft, bei einer netten Kassiererin, zwischen 65 und 70 Jahre alt schätze ich, bei der ich das komische Gefühl hatte das die mich ganz widerlich angebaggert hat, weil sie immer wieder betont hat das sie morgen frei hat, und ganz lange und gemütlich ausschlafen kann und das ja nur blöd sei das sie dabei alleine ist. Hmm, naja, Ich hab mich lieber höflich verabschiedet und bin zum Zug gegangen anstatt mich der vielfaltigkeit hinzugeben. Die folgende Zugfahrt war ganz nett, in Elmshorn wieder umgestiegen in den Zug nach Westerland. Ich hab im Fahrradabteil gesessen, mit einer Familie irgendwo aus dem Kölner Bereich schätze ich mal. war aber unanstrengend, da die Kinder schon erwachsen waren. Nach und nach füllte sich der Zug auch mit Rentnern und irgendwann bei Heide war dann auch das Fahrradabteil voll mit älteren Damen mit diesem traumatischen Kopfschütteln, was normalerweise nur auftritt wenn sich alte Frauen aufregen. Aber ich weiß ja jetzt über meine Wirkung auf Frauen jenseits der 70 und somit verstehe ich die Aufregung dort auch. kurz vor Niebüll, wo ich umsteigen musste habe ich dann einer schwangeren (oder fetten) Frau meinen Sitzplatz angeboten und bin in den Gang zur Tür gegangen. In Niebüll stand auf dem Bahnsteig gegenüber auch schon der "Zug" nach Esbjerg, welcher in etwa so lang war wie ein Akn Kurzzug. Ich war dann aber auch der einzige Fahrgast, zumindest bis Tönder.


Tönder war dann der erste Dänische Bahnhof. und ich war erstaunt dass wir zwar nicht sonderlich weit von Deutschland sind, es aber trotzdem irgendwie ganz anders ist. alle Menschen waren auf einmal Blond und haben diese komische Sprache geredet. Dänisch ist für mich sowieso eine seltsame Sprache, schwedisch und norwegisch geht ja irgendwie noch, bzw. klingt ganz lustig, aber Dänisch ist ja ein heilloses Durcheinander. Auf den Bahnsteigen standen überall großgewachsene, hübsche junge Männer, natürlich blond und mit diesen Warnfarben orangenen Westen und Hosen, allerdings in kurzen Hosen, sehr kurzen, engen Hosen. Ich war mir nicht sicher, da die Chippendales ja demnächst in Hamburg sind, sind die jetzt ja vielleicht gerade in Tönder und machen Werbung, aber das scheinen wohl tatsächlich die Mitarbeiter der Dänischen Bahn zu sein, weil die den Leuten in den Zug geholfen haben und ständig fragen von hilflosen Dänen beantwortet haben. Ich denke die Deutsche Bahn könnte ihren Ruf stark verbessern wenn sie auch solche Leute einstellt, die einfach nur auf dem Bahnhof stehen, gut aussehen und ab und zu ne alte Frau in den Zug schieben. Frauen standen da leider nicht rum, ich wäre gespannt gewesen was die so anhaben.
Die Zugfahrt war unspektakulär, angeblich soll es in dem Zug Wlan umsonst gegeben haben, ich Habs aber nicht ausprobiert.

 

In Esbjerg angekommen um 12 Uhr bin ich dann voller Tatendrang raus meine 100kg Tasche umgeschwungen, Rucksack auf und los in Richtung Hafen. Der Weg war irgendwie länger als ich ihn mir vorgestellt hab. Es standen zwar überall Schilder zur Englandfähre und zur Fanö Fähre, aber nirgendwo "Smyril" oder "Island / Färöer" oder so... aja, dann also suchen. als erstes runter, dann am Hafen die lange, breite Straße langgelaufen und alle Abzweigungen in Augenschein genommen und ausgewertet was man da sehen kann, ob ich der Meinung bin das es sich lohnt da lang zu laufen. Die Tasche wird schwer. Die Gegend sah nur nach Industrie usw. aus, also weitergelaufen. dann irgendwann sah es doch schon besser aus, viele Autos usw. also links abgebogen in Richtung Terminal, oder Kai. Am Ende angekommen war es dann aber nur n kleines terminal für die England und die Fanö Fähre. Aber da war n Kassenhäuschen, also rein und nachgefragt. Der Mann war ganz freundlich konnte mir aber auch nicht helfen, hat aber am Schluss noch gesagt, wenn ich die Fähre nicht mehr finde kann er mich nach Fanö bringen, da ist es auch schön. Mist, also den ganzen Weg wieder zurück zur Hauptstraße. Also alle Abzweigungen abklappern. in nördliche Richtung war nix mehr, also wieder den ganzen Weg zurück in Die Richtung aus der ich gekommen war. Die Tasche ist schwer, ich schwitze und mir tun die Schultern weh. die Nächste Abzweigung rein, da war irgendeine große Seespedition oder so, ne Tanke die dicht war und ein Restaurant das teuer aussah. einmal im Kreis gelaufen und langsam wirklich sauer und in Sorge, es war schon viertel nach eins, und um eins hat das Check in begonnen. Die Tasche schmerzt ohne ende und ich bin komplett nass geschwitzt. auf dem Parkplatz des Restaurants parkt gerade ein Färöisches Auto ein, also bin ich da hin und hab die angesprochen. Wahrscheinlich hat der sich erst erschreckt, als ein schwitzender, keuchender Deutscher auf ihn zukam, aber der war sehr nett und meinte er wüsste auch nicht wo die Fähre losfährt und wolle gerade ins Restaurant und fragen, ich kann ja mitkommen. vor dem Restaurant stand dann auch n Kellner und hat gerade geraucht, die haben sich dann n bisschen auf kauderwelschisch unterhalten und ich bin mir nicht so sicher was da vor sich ging, denn die haben etwa eine Minute lang geredet, auf beiden Seiten die ganze Zeit "schnicki-schnacki-lablabla" und es sah nicht nach "Frage=Antwort" aus, sondern wie n "normales" Gespräch. naja, als sie fertig waren meinte der Färinger nur, Nein, weiß er nicht. der Kellner ist dann rein, hat den Chef geholt und dann das gleiche Schnicki-Schnacki, diesmal etwas länger und mit Gelächter zwischendrin. wahrscheinlich haben sie den deutschen ausgelacht der zu Fuß unterwegs ist. den Idioten. auf jeden Fall konnte er grob die Richtung sagen. da lang und zwei, vielleicht drei Kilometer und dann rechts. O.k. schon besser. 13:30 Uhr... langsam krieg ich Panik. Der Färinger hat sich dann verabschiedet, es tat ihm n bisschen leid das er mich nicht mitnehmen konnte, weil sein Auto wirklich von oben bis unten vollgepackt war. naja, Ich bin dann so los in die angezeigte Richtung. nach einer Weile wurde die Gegend immer karger und es sah einfach nur noch nach Industrie aus, nicht nach Hafen, da war einfach gar nichts, nur ne Straße die kein Ende nimmt und Zäune an den Seiten. nach endloser Taschenschlepperei war ich so langsam wirklich am Ende und konnte einfach nicht mehr. in Gedanken bin ich meine Möglichkeiten durchgegangen wie ich jetzt wieder zum Bahnhof kommen könnte um wieder nach Hause zu fahren, oder was ich aus meiner Tasche wirklich brauche, ob die nicht einfach stehen lassen kann oder über diesen Zaun schmeißen kann. N Taxi konnte ich mir auch nicht rufen, weil die 211211 bestimmt nicht so weit kommt um mich abzuholen, und in Dänemark kenne ich keine Taxinummern. außerdem hätten die bei der 211211 mich nur wieder mit "Herr Olmer" angesprochen, was die immer tun seit ein Bekannter sich bei mir n Taxi bestellt hat und dabei seinen Namen genannt hat, und das ist mir unheimlich. Es ging auf jeden Fall nur sehr schleppend voran, etwa alle zwei Meter hab ich die Taschen auf den Boden fallen lassen und die Schulter gewechselt. und während ich da so laut fluchend, schwitzend und wohl wirklich hilflos aussehend langschlurfte kam irgendwann n Auto und hat angehalten. Da drin war n Däne im Blaumann, mit verwaschenen Tattoos an den Armen und Vollbart, wie irgendwie alle älteren Männer in Skandinavien und fragt was ich denn suche. Naja, Norröna, Smyril usw. und er wusste auch gleich Bescheid und er meinte ich solle einsteigen er fährt mich dahin. dankbar und die Knastträne unterm Auge ignorierend hab ich das dann auch gemacht. die Fahrt ging dann auch noch ne Weile und ich gehe mal davon aus das ich tatsächlich einfach meine Tasche hätte irgendwo stehen lassen und ich zurück zum Bahnhof gelaufen wäre und mich nie wieder bei Randburg gemeldet hätte. Vielleicht hätte ich mir noch ne neue Nummer besorgt, weil die bestimmt irgendwann mal angerufen hätten. Egal, Ich war noch keinem Dänen so dankbar wie jetzt gerade. dann angekommen ging auf alles viel besser. Das "Smyril Harbour Office" wo ich ja als erstes hin muss, ist ein Container in dem eine Frau mit Laptop und Drucker sitzt. naja, ging aber auch alles, Nummer gesagt, zwei Kärtchen ausgedruckt bekommen und "da und da um die Ecke warten, da kommt dann n Bus" Da standen dann auch schon n paar Leute. Inzwischen war es wohl so um die 14:00 und Ich wunderte mich n bisschen weil die Fähre noch gar nicht da war, die kam in diesem Moment gerade auf den Kai zu und hat angelegt. Da hab ich dann auch bis etwa 15 Uhr gesessen und mir die Leute angeschaut und geraucht. irgendwann kamen dann die Autos von der Fähre und sind alle an uns vorbeigefahren. Mir ist aufgefallen das die Färöer alle irgendwie dicke Autos fahren. vielleicht mal n Kombi aber immer Mercedes, Volvo oder BMW, und immer tiptop und nagelneu. von etwa 50 oder 60 Färöischen Autos waren gerade mal zwei Kleinwagen. dann kamen ne Menge Deutsche, das waren aber alles so Abenteuer Autos, Jeeps und sowas, pitsche-patsche dreckig und verschlammt und drinnen saßen die üblichen Abenteuer-Rentner, überhaupt, die Klientel die nach Island oder auf die Färöer fährt setzt sich zusammen aus zum größten Teil Abenteuer-Rentner, die Ihre Rente genießen oder wie man das nennt und mal was erleben wollen. junge alternative, die ich eigentlich eher in Irland vermuten würde. so die typischen jungen Frauen mit bunten Strickpullis und Batik-Tüchern die sich in ne Ecke setzen und ne Schale Yogi-Tee oder vielleicht mal grünen-Tee wenn sie "mal was wagen" wollen, zwischen wie bis unters Kinn angezogenen Beine klemmen und verträumt in die Landschaft schauen, und die wenn man mit ihnen über das Reiseziel redet immer wieder betonen das sie ja die Kultur und die Mentalität so toll finden von dem Land wo es gerade hingeht. Aber dann kamen noch Die Autos aus Island. Die toppen die Färöer noch um Längen. das waren ein paar Hummer Geländewagen und ganz viele von irgendwelchen Ami-Karren, auch so als Geländewagen. manche waren so groß wie Reisebusse. naja, neben mir sitzt ne Gruppe junger Männer, ich schätze mal Mexikaner oder so vollgepackt mit Bergsteiger kram und viele alte Leute die auch alle hilflos aussehen weil keiner so recht Weiß wie und was los ist und wann und wie es weiter, oder losgeht. Ich stell mir vor das der knasttränen Däne froh sein kann das die ganzen Hilflos aussehenden Rentner nicht auch über die Straße die ich mich langgeschleppt hab gekommen sind, sonst müsste der ja zwanzig Mal fahren. Irgendwann ging es dann tatsächlich los, da kamen so Airport Busse und haben alle die so rumstehen in die Busse gescheucht. vor mir Stand ein alter Mann mit riesiger Nase und Vollbart, der relativ lang war, dachte ich, denn als er sich umgedreht hat und mich gegrüßt hab, hab ich gesehen das er sein Hemd bis zur Hälfte aufgeknöpft hat, und das es kein Bart war, sondern brusthaare die nach oben wuchsen. ich glaube ich habe sehr verwirrt geschaut und konnte auch nur zurücknicken und war tatsächlich überfordert weil ich nicht wusste wo ich hinschauen sollte. auf die überdimensionale Nase, oder auf die haare die überall raus quollen.

 

naja, dann ging alles ganz schnell der Bus ist ins Schiff gefahren, der Däne der das Gepäck gestapelt hat, hat irgendwas erzählt und versucht Ordnung ins Getümmel zu bringen, da ich ihn aber auch nicht verstanden hab, hab ich dann einfach meine Tasche genommen und bin ausgestiegen und ins nächste Treppenhaus. Die Kabine hab ich relativ schnell gefunden. gab n paar Probleme mit der Türkarte, aber nach einem Besuch an der Rezeption, wo sie die Karte durch so n Gerät ziehen und sagen "in five minutes it should be working" den Satz werde ich noch öfter zu hören bekommen, denn  die Karte setzt immer mal wieder einfach so aus. aber nach five minutes workte es dann aber tatsächlich immer wieder.

 

Die Kabine ist ganz o.k. ich hätte mit schlimmeren gerechnet, so wie z.B. auf der England Fähre, auch vierbett Zimmer, ohne Bad und Schrank und mit dünnen pappwänden die nach oben offen waren. du hörtest also nachts  im besten Falle das Geschnarche von 50 anderen Leuten auch noch. aber hier ist alles drin. groß ist es nicht, aber n eigenes Klo mit Dusche und Waschbecken, n Schrank und n Fernseher. den ich noch nicht ausprobiert hab. Mein Bett ist unten, und in Reichweite ist ne Steckdose. perfekt. meine Mitzimmergenossen sind ein Dänischer Biker, und ein abenteuer-rentner. Der Bikerdäne fährt auf die Färöer, der Abenteuer Rentner nach Island. Sind beide ganz nett, der abenteuer-rentner hat mir gleich n Bier in die handgedrückt und erzählt. war wohl Busfahrer und kommt aus Bitburg. Das Bier war auch n Bitburger. Irgendwann bin ich dann auch aufs Deck hab mit Tina telefoniert, die meinte das das Schiff die ganze Zeit im Kreis gefahren ist. später hab ich dann erfahren dass das Seitenruder kaputt gegangen ist und die deshalb kurz vor Esbjerg die ganze Zeit im Kreis gefahren sind, bis sie das reparieren konnten. Beste Voraussetzungen also.

 

Nach der Abfahrt bin ich dann immer mal wieder aufs Deck und durchs Schiff. Ist eigentlich sehr nett. Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren ob das schaukeln von dem Bitburger auf nüchternen Magen, oder vom Schiffschaukeln kommt. Im Duty Free shop hab ich Zigaretten und Toblerone gekauft, drei Orte zum essen gibt es hier, ein Buffet Restaurant, ein a la carte Restaurant und eine Cafeteria. Ich hab mir für heute Abend n Platz im Büffet-Restaurant reservieren lassen. Büffet kostet etwa 25 Euro. ist teuer... aber ich hab ziemlichen Hunger. und es hat sich gelohnt, das war sehr toll. ganz viel Fisch-kram, keine Ahnung was für Fische, aber in allen Variationen und formen, eine Art Fischragout, wo noch Gemüse und Scampi drin waren, geräucherten Fisch, geräucherten Lachs, Dann  lamm in allem möglichen Variationen, Ich hab lamm Gulasch, oder sowas in der Art und Lammbraten in dünnen scheiben gegessen, und das war wirklich toll, schmeckte  nicht so Schafig wie hier. am Schluss hab ich mir dann noch ne Portion Wal und n Haufen Scampi mit Schale und so zum pulen geholt, auf den Wal war ich sehr gespannt. naja, das war jetzt nicht so sehr mein Fall, aber ich bin froh es mal probiert zu haben. die Konsistenz war wie Rinderbraten, das Fleisch war ganz,ganz dunkel, fast schwarz und es schmeckte n bisschen tranig und in etwa wie Leber. und auf Leber stehe ich überhaupt nicht.

Dran stand "Minkwhale" Ich weiß jetzt nicht wirklich was das war, aber ich werd es mal nachschauen wenn ich wieder Internet hab. Auf dem Weg zum Deck um zu Rauchen kam mir der Biker-Däne entgegen getorkelt mit zwei vollen Tüten mit Bier aus dem Duty free Shop entgegen. entgegen meiner Befürchtung war die Nacht aber doch sehr ruhig. der Abenteuer Rentner lag schon im Bett als ich kam und der Biker-Däne kam zeitgleich mit mir an. und dann haben wir alle auch mehr oder weniger gleich geschlafen. Die See ist ruhig und es schaukelt nur n kleines bisschen. da ich das nicht gewohnt bin komme ich mir n bisschen Betrunken vor, aber es ist weit weg von "es geht mir schlecht" Zum Abschluss gab es dann noch nen Traumhaften Postkarten Sonnenuntergang. Wir sind an so ner riesigen Kolonie von Windrädern vorbeigefahren die im Wasser stehen und daneben ist dann irgendwann die Sonne im Meer versunken. Hübsch, Hübsch.

 

So. 05.09.2010

Heute Morgen aufgewacht bin ich als der Biker Däne das Bett über mir hochgeklappt hat. ich bin noch ne ganze Weile liegen geblieben und gegen acht ist auch der Abenteuer Rentner raus zum Frühstück. Ich hab dann noch bis etwa zehn geschlafen, da die Kabinen innen sind und es keine Lichtquelle gibt (also es sei denn man macht Licht an) kann ich hier auch ständig schlafen. naja, aber irgendwann dann doch aufgestanden. geduscht, rasiert usw. und hoch in die Cafeteria, n Kaffee und so ne Art Kopenhagener mit Schokolade und Vanillepudding kram geholt und gegessen. Die See ist immer noch ruhig und langsam bin ich n bisschen enttäuscht. die Sonne scheint, alle Leute sind auf den Decks und sonnen sich, ganz wenig Fahrtwind, blauer Himmel. nichts von wegen Killer-wellen die Rentner vom Schiff spülen und so. und auch keine stürmische See. der Biker Däne hat im Vorfeld auch die Videos auf YouTube gesehen und kam gerade rein und meinte er sei auch n bisschen enttäuscht. Also es wackelt schon n bisschen, aber nicht besonders stark. und dieses Sommersonnenwetter ist n bisschen übertrieben, finde ich. zumindest n bisschen Wind oder so wäre nett.

 

Jetzt war ich grad essen und danach eine rauchen. Das Deck ist immer noch voll, und immer noch ist kein Land zu sehen und ich hab überhaupt keine Vorstellung in welcher Gegend wir jetzt gerade sein könnten. Zum Essen war ich in der Cafeteria, die ist n bisschen billiger als im Restaurant oder am Buffet. Es gab Schweinebraten mit Kruste, Rotkohl und Kartoffeln. war sehr lecker, nur mit Kartoffeln haben die es nicht so glaub ich. Aber egal. beim rauchen hat sich der Typ mit der Nase und dem Pelz neben mich gesetzt. eben kam ne durchsage das jetzt in der Cafeteria Bingo gespielt wird und ich bin ganz froh das ich intuitiv die richtige Zeit zum Essen genutzt hab und da nicht jetzt sitze und auf einmal alles voll von Bingo-Abenteuer-Rentnern ist. Ich glaube ich habe einen alten Lehrer von mir hier gesehen, bin mir aber nicht sicher und möchte es eigentlich auch gar nicht wissen. der ist jetzt auch Abenteuer-Rentner anscheinend. Ansonsten sind hier relativ viele Deutsche. viele Zahnärzte mit ihren Motorrädern und ein paar Busreisegruppen die mit dem Bus durch Island fahren und abends dann in den dicken Sterne Hotels übernachten.

 

So, jetzt hab ich einen Roy Black Film gesehen (grün ist die Heide) und hab dann ne Stunde geschlafen. nachdem ich oben war lieg ich jetzt wieder hier. Da ist nix neues passiert. Wetter ist immer noch toll, immer noch keine Killer Wellen. Ich hab n paar Wale gesehen, wahrscheinlich die Familie von dem armen Kerl den ich gestern verspeist hab. aber vielleicht war das gestern auch nur vergammeltes Rindfleisch, das sie als Walfleisch anbieten damit die blöden Touristen denken das sei was Besonderes. Die Sonne bescheint inzwischen nur noch eine Seite vom Schiff, und es war ganz lustig zu sehen wie alle Sonnenbaderentner oben immer weiter zur Reling gerückt sind mit Ihren Liegestühlen um die Sonne noch mitzukriegen. Als die Sonne dann weg war haben sie angefangen die (schweren) Holzliegestühle zusammenzuklappen und durchs Halbe Schiff rüber aufs andere Deck zu schleppen. Ich weiß nicht warum sie mehr Stühle mitgenommen haben als es Personen waren, vielleicht für die Handtasche? Auf jeden Fall hat der Mann die Frau mit drei zusammengeklappten Liegestühlen zurückgelassen um selber einen zu tragen, sie hat gewartet das er wiederkommt und stand da wie ne hungrige, aber alleingelassene Löwin um ein erlegtes Antilopenbaby, keifend und Zähnefletschend wenn sich andere Rentner wie die Hyänen, die schon die ganze Zeit beobachtend darauf warten das die Löwin unachtsam wird, an die Stühle angeschlichen haben. statt Gebrüll gab es zwar nur auf kauderwelschisch dahingeworfene Beleidigungen, aber ich bin etwas erleichtert das nicht nur die Engländer und deutschen sich kriege um Ihre Liegestühle liefern. immer wieder mal fahren wir an ner Bohrinsel vorbei, das sind wohl alles Norwegische, denn immer wenn wir an einer vorbeifahren hab ich auf einmal norwegisches Netz im Handy. Zum Sonnenuntergang sind wir an den Shetlandinseln vorbeigefahren.

 

Im A la Carte Restaurant gibt es heute Papageientaucher von den Färöern. Aber das wäre zu teuer, und ich hoffe ich werde dort auch noch die Gelegenheit bekommen diese putzigen kleinen Kerlchen zu verspeisen. Die Inseln sollen ja voll damit sein. Das leckere Lamm gestern kam auch von den Färöern, damit ist ja wohl auch alles voll auf den Inseln. "Färöer" heißt glaube ich auch übersetzt "Schafsinseln" und die Schafe sollen auch ein Grund dafür sein das dort keine Bäume wachsen, wahrscheinlich mal abgesehen von dem „Osterinsel-Phänomen“ das irgendwann einfach alles Holz verbaut ist und man dann mal schauen muss wo man Holz herkriegt. Zudem sind Unfälle mit Schafen dort wohl auch relativ häufig, denn die laufen da wirklich überall rum. und um die 20 % des Schafbestandes fällt bei Sturm einfach von den Klippen.

 

Mo. 06.09.2010

Morgens aufgewacht weil alles wackelt, und überhaupt hab ich sehr schlecht geschlafen. laut Uhr ist es 8, aber Moment, da war doch was... Ach ja, hier auf dem Schiff gilt Färöische Zeit, also ist es erst 7. Naja, Aufgestanden, in der Cafeteria nen Kaffee gezogen und beim Blick raus etwas erschrocken, denn über Nacht ist die See, dunkelgrau und wild geworden. Auf dem Deck dann hat mir erst mal der Wind die Jacke fast ausgezogen, also schön zu gemacht und versucht mir ne Zigarette anzustecken. vom blauen Himmel ist auch nix mehr zu sehen, nur noch grau. So gegen (Färöischen) Acht Uhr konnte ich dann auch die erste Insel sehen und nach und nach wurden es immer mehr. Sieht ganz schön aus, so ein großer Felsen mitten in der tobenden See mit Leuchtturm an der Spitze. Ich frage mich wie weit die wohl weg ist und wie hoch die Klippen sind, weil die Wellen die gegen die Felsen schlagen bis hoch zum Leuchtturm reichen. Naja, mal abwarten. Das Wetter soll hier ja immer wieder umschlagen vom fiesesten Sturm bis zu schönstem T-Shirt Wetter.

 

Nachdem wir dann an drei weiteren hübschen Inseln vorbeigeschaukelt sind konnte man dann auch schon sowas wie ne Stadt sehen, wird wohl Torshaven sein, die "Hauptstadt" mit etwa so vielen Einwohnern wie Hamburg-Othmarschen. Beim näherkommen hat sich dann auch das Wetter etwas gebessert, nur der Wind ist stärker geworden. so langsam erkenne ich auch schon einiges von Bildern aus dem Internet wieder. direkt in der Mitte des Hafens ist ne kleine Halbinsel, auf der die ganzen Parlamentsgebäude stehen. Hübsche kleine rote Häuser mit Grasdächern. nachdem sich das halbe schiff an Deck versammelt hat und alles voll ist mit Abenteuerrentnern die Ihre kleinen Knipsen ausgiebig testen wollen und ihren Kollegen erzählen das sie alles hinterher bearbeiten, quasi als Entschuldigung dafür das die 100 Euro knipse nur verwackelte Bilder macht. Ich hab mit meinem 20 Kilo Canon Bomber auch schon Probleme die ruhig zu halten. naja, Ich mach es ja genauso, wenn die Bilder die ich mache scheisse sind und die jemand sieht, Kunden oder so, dann erzähl ich natürlich auch, ja das ist Absicht, das ist so ne spezielle Kameraeinstellung, die macht möglichst neutrale Bilder, damit ich hinterher noch überall dunkle oder helle Stellen verbessern kann und den Kontrast von Hand anziehen kann, weil die Kameraautomatik nicht so gut ist. Ich bin dann mal langsam runter vom Deck um meine Sachen zu holen und mich auf den Weg zum Ausgang zu begeben, außerdem wurden die Leute oben langsam aufdringlich und grantig um sich den besten Platz zum Fotografieren an der Reling zu sichern. An der Treppe runter zum deck 5 wo der Ausgang ist war dann auch schon wieder Schluss, weil alles voll ist mit wartenden. neben mir stand dann wieder der Färöer den ich in Esbjerg nach dem Weg gefragt hab. Irgendwann gings dann los, und dann auch recht schnell. von der Gangway in ein Treppenhaus und runter. unten dann vorbei an zwei Zollschaltern die beide nicht besetzt waren, irgendwo in der Ecke stand nur n Zöllner mit ‘nem Drogenhund und hat mit ‘nem anderen Zöllner geredet und nicht mal in die Richtung der vorbeirauschenden Passagiere geschaut. dann war ich auch schon draußen und etwas verwundert weil niemand meinen Ausweis sehen wollte. Ich hab kurz überlegt ob ich mal zurückgehen sollte, vielleicht hab ich ja was übersehen und mich quasi rausgeschlichen, aber da war ja nur der eine Gang wo alle raus sind. Etwas Enttäuscht, weil ich mir im Vorfeld solche Sorgen gemacht hab, ob das alles so geht mit dem Personalausweis, schließlich ist das ja nicht EU usw., bin ich dann in die Richtung vom Hotel.


Die Tasche war angenehm leicht, und ich hab mich gefragt ob ich wirklich alles mitgenommen hab. Ist aber alles drin. die Richtung zum Hotel zu finden war nicht schwer, denn hier ist erst mal nur eine Straße, in der einen Richtung ist nichts, in der anderen Richtung ist die Stadt. über eine Kreuzung rüber und da war es dann auch schon. Sieht ganz nett aus. drinnen dann eingecheckt und da hat auch alles geklappt, an der Rezeption war dann ne Nachricht für mich von einem Herren, und ne Adresse wo ich mich dann melden soll wenn ich mich im Zimmer eingerichtet hab. das hab ich dann auch kurz darauf gemacht. Die Adresse war mitten in der Altstadt, ein ganz verstecktes altes Holzhaus mit Gras auf dem Dach.

 

Der Mann ist sowas wie der Tourismus-Senator oder wie man das nennen mag und spricht in etwa so gut Englisch wie ich, also etwas begrenzt. scheint aber sehr nett zu sein. Er erklärt mir das er in den Nächsten Tagen mit mir überall hinfährt wo ich hinwill oder hinsoll und mich hier begleitet. Ich mache mir kurz Gedanken ob ich nicht zufällig in Nordkorea gelandet bin, aber hier sind überall Färöische Flaggen. Naja, und eigentlich kann mir das nur recht sein. wir haben dann erst mal bei Ihm im "Büro" also diesem alten Holzhaus, welches relativ spärlich eingerichtet ist, wie ne Almhütte oder so, gegessen. Es gab Tee und belegte Brote und Kuchen. das Brot war seltsamerweise das leckerste, da drauf war ne seltsame süße Pampe aus Rhabarber was auch sehr lecker war. Der Rhabarber hier soll ohne diese säure wachsen die ihn so sauer macht und meinen Mund brennen lässt. aber in so einer Süßen Pampe ist es glaube ich sowieso egal wo der gewachsen ist.

 

Danach haben wir uns dann für den nächsten Morgen verabredet und ich bin ein wenig durch Torshaven gelaufen. ist sehr klein und sehr nett. in der Mitte ist ein Park, Wahrscheinlich der einzige Ort wo hier auf den Färöern Bäume wachsen (zumindest frei zugänglich), und dahinter irgendwann ein Einkaufzentrum wo ich natürlich rein bin. Es war jetzt nicht sooo spektakulär wie ich gedacht hab, eigentlich genau wie bei uns, und die Sachen die man da kaufen kann sind alle aus Dänemark importiert (die kommen mit der Norröna), also alles wie in Dänemark. anders war nur das dort in der Fleischtheke und in den Tiefkühltruhen ganze Schafsköpfe liegen. Ich hab mir überlegt einen zu kaufen und mit nach Hause zu nehmen, mich dann aber dagegen entschieden. Am Nachmittag hat Der Herr „Tourismus-Senator“, über dessen Funktion ich mir noch immer nicht ganz im Klaren bin mich angerufen und zu sich und seiner Familie nach Hause eingeladen zum Essen. Wahrscheinlich weil ich ihm erzählt hab das ich mal Koch war und mich sehr für die traditionellen Gerichte Interessiere. Ich bin dann wieder zu diesem Holzhaus (irgendwie sind die meisten Häuser da aus Holz, obwohl es doch kein Holz auf der Insel geben soll?) und wir Sind dann zu Ihm gefahren. Die Fahrt hat etwa eine Stunde gedauert und gleich zu Anfang standen wir an einer Ampel und er hat mir Erzählt das ist eine der vier Ampeln auf den gesamten Färöern. Ich war sehr, sehr beeindruckt von all den grünen Bergen, abhängen, Tälern und Fjorden durch die wir dann gefahren sind. Runavik, wo er wohnt ist auf der Nachbarinsel von Streymoy, Esturoy. die beiden Inseln sind mit einer Brücke verbunden, und die Färinger nennen diese Brücke die "Einzige Brücke über den Atlantik". Runavik ist eine nette kleine Stadt am Hang eines Berges und mit einem kleinen Hafen. Sein Haus ist ganz oben in der letzten Straße im Ort. Eingerichtet war alles recht modern, was mich n bisschen gewundert hat. zur Familie gehören noch seine Frau, dessen Name ich nicht verstanden hab, die Tochter der beiden, deren Namen ich auch nicht verstanden hab, deren zwei Kinder, und deren Mann. Während Er das Essen gemacht hat musste ich mit dem kleinen Enkel Lego bauen, was aber ganz lustig war. ich schätze mal er ist etwa 5 Jahre alt, und da wir eine sprachliche Hürde hatten die nicht zu überwinden war, war das ne relativ ruhige Angelegenheit. Ich hab ihm immer mal wieder nen stein gezeigt und irgendwo raufgesetzt und er hat entweder genickt oder empört mit dem Kopf geschüttelt, so als wenn er mir sagen würde "alter, dich würde ich mein  Haus aber nicht bauen lassen" Zu essen gab es Trockenfisch. klingt toll, oder? der riecht in etwa so wie die kleinen Fischchen an denen sich  meine Katze mal ganz gerne reibt. dazu gab es Kartoffeln, ohne alles. Ich hab schon gelesen das die Küche da für unsere Verhältnisse relativ karg ist, es gibt eine Sache zu essen, und das wars dann. erst in jüngerer Zeit hat es irgendwer mal geschafft auf den Inseln Kartoffeln anzubauen, seitdem gibt es überall Kartoffeln dazu. Der Fisch war erstaunlich lecker, hatte ne sehr feste Konsistenz, etwas gummiartig, wie n durchgebratenes Steak. Zum Nachtisch gab es eine Art Torte aus zwei schickten Karamell Pudding mit Sahne in der Mitte. Das hat mir natürlich sehr gefallen. Ich hab dann auch erfahren warum mir Da jemand zur Seite gestellt worden ist. Etwas überspitzt ausgedrückt: Nachdem Dänemark die Färinger wohl ähnlich kurzgehalten hat wie sie es gerade mit den Grönländern tun und die Färinger irgendwann wohl gedroht haben die Dänen einfach von den Inseln zu verweisen und wieder alles selbst zu machen ist Dänemark auf Kuschelkurs und lässt es sich einiges Kosten die Färinger zufrieden zu stellen, dazu gehören die ganzen Brücken und Tunnel die einige Inseln miteinander verbinden, als auch die kostenlosen Helikopertaxis zu den Inseln wo keine Brücke hinkommt, oder eben die ganzen dänischen Waren vom Festland. Dänemark ist sehr interessiert daran das die Färöer zufrieden sind und natürlich das das Ganze auch nach außen getragen wird, also werden alle Art von Medienberichterstattern, also Reporter, Journalisten und eben auch Fotografen da sehr bevorzugt behandelt. Ich finds nett hier, obwohl ich mich jetzt schon etwas von der Dänischen Propaganda-Maschinerie benutzt fühle. Aber wer weiß schon was da wirklich los ist, vielleicht hat  mein Auftraggeber einfach seine Beziehungen spielen lassen und in Wirklichkeit ist das alles halb so wild. Da wir morgen auf der Insel Streymoy, also die Insel auf der Torshaven liegt rumfahren, danach aber nur noch auf Eysturoy, der Insel wo Runavik liegt, werde ich morgen schon wieder umziehen, in ein Gästehaus in Runavik, in der gleichen Straße. wieder im Hotel falle ich dann auch relativ schnell ins Bett, wollte noch n bisschen im Fernsehen Zappen, es gibt aber nur einen Sender und in den Nachrichten zeigen sie nur irgendwelche Häfen und irgendwelche Leute die irgendwo ins Wasser springen, wahrscheinlich ist es auch ganz gut das ich nichts verstehe. Färöisch ist ein ganz schlimmes Kauderwelsch. Nachdem dänisch schon lustig war, ist das nur noch seltsam und ich glaube irgendwie nicht das die Leute sich wirklich unterhalten. klingt wie ein verschlucktes Isländisch, soll aber wohl vom altnorwegischen kommen, was immer altnorwegisch auch ist. so n Wikingerkram eben. Angeblich sind die Färöer auch die letzten nachkommen der Wikinger, aber man erzählt sich ja auch das die Currywurst aus Berlin kommt usw.

 

Di. 07.09.2010

Am nächsten Morgen dann relativ früh aufgestanden und zum Frühstück, welches relativ reichhaltig und lecker war, gab sehr kleine Brötchen die relativ weich und n bisschen süß waren, dazu dann allerlei Scampi und Krebse und anderen fischigen Kram. gab auch Marmelade und so, aber ich bin beim Fisch geblieben, kommen wir aber zu einem nicht so schönem Thema, dem Kaffee. Der war nirgendwo wo ich da war besonders gut, irgendwie plörrig und ziemlich dünn. naja, Ich Habs überlebt. Heute soll es dann auf die Bootstour gehen. Am Treffpunkt im Hafen von Torshaven angekommen hat Mein Begleiter dann auch schon gewartet und erzählt mir das die Nordlysid, dieses Segelschiff, nicht fährt, weil das Wetter zu schlecht ist, aber wir fahren nach Vestmänna, da fährt n anderes, nicht einmal ganz um die Inseln, aber dafür zu schönen Klippen zum Vögelschauen. Die Papageientaucher auf die ich mich so gefreut hab waren alle schon wieder weg, die sind nur bis August da, schade. Auf dem Weg nach Vestmänna haben wir noch an einem kleinen schönen Ort halt gemacht dessen Namen ich nicht mehr Weiß, war aber sehr hübsch, direkt in einem kleinen Tal am Fjord. Da war wohl irgendwas ganz tolles unten am Hafen, so eine alte Wikingersiedlung oder so. Ich Habs nicht ganz verstanden, aber ich hab höflichkeitshalber so getan. da waren im Gras die Umrisse von zwei Häusern und Drumherum irgendwelche Steine mit Runen drin. Wahrscheinlich war das der älteste und wichtigste Ort der ganzen Zivilisation da und ich Habs nicht verstanden. In Vestmänna haben wir dann tatsächlich das Boot gefunden und sind mit ein paar anderen Touristen, wie sich später rausstellte Tschechen, aufs Boot. Ich würd mal sagen das Boot war etwa so groß wie ne Barkasse. Die Fahrt war dann dementsprechend auch sehr holprig und extrem Windig. die Klippen waren aber sehr beeindruckend, Die einzigen tollen vögel deren Namen ich verstanden hab waren Eissturmvögel und irgendwelche kleinen Albatrosse. Ansonsten schwammen Unmengen an Lachsen da um uns rum und sind ständig aus dem Wasser gehüpft. Auf dem Weg aus dem Hafen sind wir auch an einigen Lachsfarmen vorbeigefahren. Während alle mitfahrenden sich den Klippen zugewandt haben und gestaunt haben, hab ich mich die meiste Zeit der anderen Seite hingewandt und versucht  die Inseln aus der Entfernung zu fotografieren. Was daraus geworden ist werd ich dann später beurteilen. es war auf jeden Fall sehr windig und einigen sind die schicken Wollmützen vom Kopf geflogen.

 

Die Inseln sind voller Schafe. es ist wirklich so das überall, und ich meine wirklich überall Schafe sind. Die kommen überall hin und wenn man irgendwo plätze sieht, klippen die im 90 gradwinkel ins Meer stürzen, oder die Gipfel der Berge, und denkt, ja aber da kommt kein Schaf hin, siehst du im nächsten Moment ein Schaf. An den Klippen an denen wir vorbeigefahren sind standen auch immer wieder mal Schafe mitten in einem Steilen Felswand. Die Schafe liegen bevorzugt auf oder an den Straßen, weil im Winter die Bauern die Schafe halten mit ‘nem Wagen voll futter rumfahren und das einfach aus dem Auto an den Straßenrand schmeißen. etwa alle 10 Minuten muss man anhalten und hupen, oder zumindest n Bogen fahren weil irgendwo ein Schaf auf der Straße liegt und die anschaut und bööööh macht, als wolle es sich beschweren das du da lang willst. Die Färöer haben einmal versucht eine Der Inseln schaffrei zu halten um zu schauen was bei denen überhaupt so wachsen kann und vielleicht mal in grauer Vorzeit gewachsen ist, nach einem Jahr haben sie es wieder aufgegeben weil immer wieder irgendwoher ein Schaf auf der Insel aufgetaucht ist und alles kahlgefressen hat. eine der Inseln, Lithla Dimun, ist sogar nur mit Schafen besiedelt, die leben da vor sich hin und einmal im Jahr fahren die Leute mit Booten dahin, nehmen sich so viele Schafe wie ins Boot passen mit und wenn sie merken das zu viele Schafe da sind nähen sie den jungen Weibchen Plastiktüten an den Hintern ins Fell, quasi als Keuschheitsgürtel.

 

Nach der Bootstour bei der ich relativ nass geworden bin und meine Kamera auch ihren ersten Kontakt mit Salzwasser hatte, sind wir nach Torshaven und ich habe meine Sachen aus dem Hotel geholt. Das Gästehaus in Runavik war sehr nett, relativ modern, aber spartanisch. mit einem Grandiosen Blick über das gesamte Fjord. Abends gabs dann wieder essen bei versammelter Familie. Er hat es sich wohl zur Aufgabe gemacht mir jeden Tag Färingische Spezialitäten aufzutischen und heute gab es irgendeinen Seevogel, irgendeine Möwe oder so, er hat mir den Namen gesagt, den ich nicht verstanden hab und n Bild gezeigt, sieht aus wie ne graue Möwe. Ich muss sagen ich Weiß nicht so recht was ich davon halten sollte. diese Vögel stinken unheimlich, tranig und fischig und sind unglaublich fettig. dazu gab es Kartoffeln und Möhren, wieder einfach nur so, gekocht. Die Vögel waren relativ klein, etwa wie Meerschweinchen und es war nicht allzu viel Fleisch dran, die Haut war richtig fettig, und ich hab nur n kleines Stück Haut geschafft. Das Fleisch selber war sehr weich, sehr fettig und hat extrem nach Fisch geschmeckt. Irgendwie seltsam, aber irgendwie stand ich auch drauf. vom Geschmack, oder vom Aroma in etwa wie Thunfisch, nur irgendwie traniger und intensiver. Definitiv eins der seltsamsten Essen die ich bisher gegessen habe. Danach gabs Blaubeerkuchen. Jens Frau kommt aus Island und macht wohl ständig Witze über das Essen hier und überhaupt die Eigenarten der Färöer. Die Isländische Ministerpräsidentin ist wohl gerade auf den Inseln zu Besuch, mit ihrer Ehefrau, und da die alten Färöer wohl extrem homosexuellenfeindlich sind, sorgt das für großes Aufsehen. Naja, zumindest meine Gastgeber sind da alle relativ modern, und schämen sich etwas für Ihre Landsmänner die da so laut werden. Der Mann der Tochter ist Musiker, Metaller mit langen Haaren und Bart und so und war sehr Interessiert an meiner metallischen Vergangenheit. ich habe heute kein Lego gespielt, dafür die kleine Tocher gehalten und sie zum Schreien gebracht. ob die Babys auch auf Färöisch schreien?

 

Abends bin ich relativ früh ins Bett, war doch irgendwie anstrengend heute.

 

Mi. 08.09.2010

Am nächsten Morgen bin ich runter nach Runavik zum Frühstücken. Ich hab aber nur ein süßes Kuchen-Brötchen Dingens gegessen und schlechten Kaffee getrunken. Irgendwie war mir nicht soooo sehr nach Essen. komisch, obwohl an den ganzen Sachen die ich hier bisher gegessen hab nix dran ist, war ich immer satt und zufrieden, und es hat auch immer vollkommen gereicht nur morgens n bisschen was zu essen und dann abends die eine Mahlzeit.

 

Heute steht Gjögv und Saksun auf dem Programm, wir haben uns für 11 Uhr verabredet, weil die Tide dann soweit zurückgegangen ist das man in Saksun um die Felsen herumlaufen kann. na gut, also n bisschen in Runavik rumgelaufen und zuhause rumgesessen. Als wir dann los sind wurde das Wetter schlagartig schlechter. Die Tochter und die Tochterstochter, also die mit dem Namen den ich nicht verstehe, irgendwas wie Schügrütt oder so und die kleine sind mitgefahren. Je weiter wir in die Richtung in die wir wollten gefahren sind desto schlechter wurde das Wetter. Auf der Fahrt dahin merkte ich immer wieder wie ne Windböe kam und Er arge Probleme hatte das Auto zu halten, dazu der unglaublich starke Regen. als wir in Saksun angekommen sind standen wir erst mal 5 Minuten mit dem Auto rum und haben überlegt was wir machen. Da wo wir geparkt haben stand ne alte kleine Hütte und davor standen die Beiden Tschechen von gestern, sichtlich verzweifelt und pitschenass. Er meinte das wird nix, aber ich kann gerne versuchen auszusteigen. Ich hab also am Türöffner nur leicht gezogen und die Tür ist mit großem Krawumms aufgeflogen und ich bin raus. hab mich am Auto festhalten müssen und bin ungefähr zwei Meter vom Auto weggekommen, um dann wieder zurück zu kriechen. Hmmm, na gut lassen wir das besser. Einer der Tschechen kam noch todesmutig zum Auto und hat sehr verzweifelt ausgesehen und gefragt wo wir hinfahren, aber er hat dann selber gesehen das das Auto ja schon voll ist und irgendwie tat er mir sehr leid, aber nicht so sehr das ich hätte tauschen wollen. Er meinte noch dass sie hier auf den Bus warten, der aber nicht kommt. Irgendwo da in der Nähe wohnen bekannte der Familie, also sind wir dahingefahren. die haben uns auch sehr nett mit Tee und Kuchen bewirtet, und Irgendwie scheint es da üblich zu sein seine Türen alle offen zu lassen und einfach unangekündigt in die Häuser zu gehen wenn man jemanden besucht. Die einzigen wirklich nennenswerten "Verbrechen" die da so regelmässig stattfinden sind nächtliche Ruhestörung unter Alkoholeinfluss und wenn jemand mal n Schaf totfährt und das nicht meldet. die beiden haben uns dann noch erzählt dass es hier gar keinen Bus gibt. in Gedanken bin ich also bei den beiden Tschechen, die wahrscheinlich immer noch da stehen. Also Saksun war schon mal nix, aber ich nehme mal an das es sehr schön gewesen wäre. der Regen regnet inzwischen übrigens manchmal Horizontal, und auf der Fahrt nach Gjögv haben wir einige Wasserfälle, von denen es hier tausende gibt, gesehen die nach oben ins nirgendwo "fallen". ein sehr seltsamer Anblick, irgendwie ist die Welt hier gerade verkehrt herum. Apropos nirgendwo, auf Dänisch ist mein Geburtsort Buxtehude ein Wort fürs "absolute nirgendwo". In Gjögv angekommen gings dann wieder etwas, war noch ziemlich windig und hat geregnet, aber ich konnte aussteigen und n bisschen rumlaufen. In Gjögv gibt es einen kleinen natürlichen Hafen und auch sonst ist das ein kleines verträumtes Dorf. gibt n schönes Hotel dort, also wenn ich noch mal dahin kommen sollte wär das vielleicht was. Ansonsten sind wir die meiste Zeit damit beschäftigt Autozufahren. Wir sind durch unzählige unglaublich schöne Täler und Dörfer gefahren. Ach ja, heute stand eigentlich auch der Slaettaratindur, der höchste Berg der Färöer auf dem Programm, der liegt zwischen Saksun und Gjögv. den haben wir uns mal geschenkt angesichts der Wetterlage.

 

Abends gab es das obligatorische Färöische Mahl, diesmal was besonderes, Grindwal. Der Grindwalfang ist was ganz besonderes dort, ein Mal im Jahr schwimmen die Grindwale an den Färöern vorbei und sobald die entdeckt sind wird das im Fernsehen, im Radio und mit Telefonkette verbreitet. Dann lassen die Leute alles stehen und liegen und strömen zum Fjord in das die Wale am besten getrieben werden können. Die Männer springen wie die verrückten ins Wasser und töten die Wale und ziehen sie an Land. dieses "Ritual" ist der Grund für unzählige Greenpeace Meckeraktionen und hunderte von Kettenbriefen und Petitionen die um die Welt geistern. im Übrigen voll mit halb- und Unwahrheiten. in den Petitionen wird davon geredet das es für die jungen ein Ritual zum erwachsenwerden ist und das die Wale möglichst langsam getötet werden und dann wieder ins Meer geworfen werden. In Wirklichkeit werden die Wale „möglichst schnell“ getötet und komplett verwertet. Die Menschen essen die und alle Wale die getötet werden werden unter der Bevölkerung aufgeteilt. angesichts der Tatsache das es auf den Inseln sonst nur sehr wenig einheimisches zu essen gibt und das alles importiert werden muss und somit schweineteuer ist, finde ich es durchaus nachvollziehbar und o.k. zumal die Regierung strikte Regelungen und auflagen hat und der Bestand der Grindwale in keinster Weise gefährdet wird wenn von den 30000 Walen die da im Jahr vorbeischwimmen mal 100 raus gefischt werden. Außerdem nehme ich mal an das Familie Wal durchaus ein glückliches und zufriedenes Leben gehabt hat, bis sie dann aus Versehen an den falschen Inseln vorbeigeschwommen ist.

 

Ich hab gestern schon mitbekommen wie Mein Begleiter erzählt hat wie toll der traditionelle Grindwal ist, während alle anderen anwesenden sich nur geschüttelt haben und meinten das ist Blödsinn, nur weils Tradition ist muss es nicht gut schmecken. Ich weiß nicht wie weit die Diskussion noch ging, auf jeden Fall gab es heute zwei Zubereitungsarten, ein Mal die Traditionelle, Wal in Wasser gekocht und einmal eine Art Gulasch mit Gemüse, worüber Jens nur die Nase gerümpft hat und auch keinen bissen von angerührt hat. Ich fand beides o.k. das Gulasch aber natürlich leckerer. auch wenn ich Jens damit wohl etwas enttäuscht hab, aber ich glaub ich konnte mich ganz gut rausreden als er hoffnungsvoll gefragt hat welches besser ist. Ich hab möglichst neutral gesagt dass die Traditionelle Weise natürlich besser sei um die Erfahrung zu machen und um zu schmecken wie es wirklich schmeckt usw. ich persönlich aber das Gulasch bevorzugen würde, weil ich es einfach gewohnt bin. Der Traditionelle Wal wird mit dem Walspeck aufgetischt, also ein Stück Wal, ein Stück Fett mit Haut das genauso groß und ziemlich streng und Eklig ist und Kartoffeln, natürlich a la naturelle. Das Walfleisch war besser als dieser "Minkwhale" von der Norröna, schmeckte immer noch etwas nach Leber, aber nicht so tranig und ranzig. pechschwarz und sehr fest. Zum Nachtisch gab es Pfannkuchen mit Rhabarberkompott.

 

Do. 09.09.2010

Heute sind wir nach Eystnes gefahren, das war nicht weit weg von Runavik, etwa 20 Minuten Fahrt. hier gibt es ne Menge Hügel und natürlich Schafe, Schafköttel und Vögel. Das war ganz hübsch, und man war ziemlich weit oben, so dass man von allen Seiten runter schauen und die anderen Inseln und Dörfer sehen konnte. zum Teil war es ziemlich steinig und steil, Ich wär aber nur zwei Mal fast ausgerutscht und 100 Meter in die Tiefe ins Meer gefallen, Während die anderen die Hügel einfach so, als wenn sie ne Straße entlang gehen raufspazierten. Naja, Ich hab mir nix anmerken lassen und in mich hinein gekeucht und den Schweiß von der Stirn gewischt bevor es jemand gesehen hat. Auf den Inseln wächst übrigens oft Heide was mich n bisschen an die Heimat erinnert hat.

 

Zuhause hab ich dann gepackt und mich langsam darauf vorbereitet abzureisen und gegen 17 Uhr bin ich dann auch mit dem Bus nach Torshaven. Die Busse sind bequeme Reisebusse und es gibt sie in rot und in blau, meiner war blau, die roten sollen angeblich nix kosten, aber wo die so längsfahren Weiß ich auch nicht. ganz vorne saß ein Mann der Aussah wie man sich nen alten Seebären vorstellt, mit Elbsegler auf dem Kopf und hacke dicht und hat die ganze Fahrt über eine ältere Dame vollgequatscht die sichtlich angewidert war und nur ab und zu irgendwas in seine Richtung gezischt hat, was nicht sehr nett klang. Zwischendurch hat sich der Busfahrer auch noch mal umgedreht und irgendwas in seine Richtung gemeckert, das hat ihn aber nicht sonderlich Interessiert. Nach und nach sind alle Leute vorne ausgestiegen und ich hab mir langsam Sorgen gemacht das er mich dann vollquatscht wenn alle anderen weg sind, war aber dann doch nicht so, er hat einfach mit sich selber geredet. Wahrscheinlich hätte er es auch nicht mal registriert dass ich kein Wort verstehe und es auf seinen Rausch geschoben. Nach etwa ner Stunde Fahrt bin ich dann in Torshaven angekommen. Ich hatte noch relativ viel Zeit, so drei Stunden, also bin ich erst mal ins Terminal und hab geschaut wo ich dann nachher hinmuss um meine Bordkarte zu kriegen, das war aber alles recht übersichtlich und einfach, also bin ich wieder raus und hab mich erinnert das ich beim aussteigen auf der anderen Straßenseite das magische Wort "Fast-Food" gesehen hab, also hab ich diese Richtung eingeschlagen und hab nen recht schmackhaften Cheeseburger zu mir genommen. Ansonsten hab ich den Rest der Zeit mit rumsitzen und Rauchen verbracht, weil ich mit meiner Tasche wirklich keine Lust hatte jetzt noch durch die Gegend zu laufen. Als die Zeit langsam zum einchecken reif war stand am Schalter schon der Seemann aus dem Bus und hat mit allem was nicht bei drei auf den Bäumen war geredet. So auch mit mir als ich am Schalter stand. Das musste ja so kommen. Ich hab so getan als sei er einfach nicht da, hatte aber n bisschen Angst weil er Tickets für die Norröna in der Hand hatte und hab befürchtet das er womöglich mit mir in eine Kabine kommt. Ist er aber nicht. Ich hab diesmal ein Bett oben, das heißt der Strom für Laptop und Handy usw. ist weit weg, quasi in unerreichbarer nähe. das ist blöd, und auch sonst ist oben liegen ziemlich blöd auf ‘nem Schiff. mit mir im Zimmer sind nur Dänen, oder irgendwelche kauderwelsch sprechenden Menschen, zwei Biker und ein alter Mann, der auch oben liegt, was ihm sichtlich zuwider ist. hab bisher nur mit einem ein paar Worte gewechselt. Naja, Ich bin dann hoch aufs Deck und hab noch n paar Bilder von Torshaven in der Dämmerung gemacht und bin auch oben geblieben bis wir abgelegt haben und die Inseln außer Sichtweite waren. bin schon ein wenig wehmütig. Es stürmt und regnet und ich hab ein wenig Angst vor der bevorstehenden Nacht. auf dem Deck oben ist es inzwischen so Windig das ich mich festhalten muss, zudem sind die Wellen über die das Schiff wegfährt inzwischen so hoch das ich alle 5 Sekunden für ein paar Sekunden das Gefühl hab im freien Fall zu sein, das ist blöd, und der Burger in meinem Bauch findet das auch mehr als schlecht, denn der kommt immer erst kurz nach mir wieder auf dem Boden (Magenboden) an. Ich hab keine Vorstellung davon wie hoch die Wellen sind, denn zur Reling komm ich gar nicht erst, aber es muss schon enorm sein. na gut, rauchen geht nicht, essen und trinken ist auch eher schlecht, also versuch ich zu schlafen...

 

Fr. 10.09.2010

...was auch nicht geht, denn alle drei, und vor allem der alte Mann neben mir schnarchen in allen nur erdenklichen Tonlagen. Ich krieg die Krise denk ich, stopf mir die Kopfhörer ins Ohr, das ist aber auch blöd, weil sich dann alles dreht. nach ein paar Stunden hab ich dann versucht „zufälligen Lärm“ zu produzieren, also mal was umzuwerfen was Lärm macht und dann so zu tun als hätte ich damit nix zu tun. alle drei haben sich auch brav umgedreht und weitergepennt - und natürlich kurz darauf weitergeschnarcht. ich Habs weiter mit Lärm und Licht versucht, aber das jedes Mal nur kurz was gebracht. also bin ich wieder aufgestanden, und hab draußen irgendwo gesessen und gewartet. um sechs hat die Cafeteria aufgemacht und ich hab mir n Frühstück gegönnt und so um sieben oder halb acht bin ich wieder in die Kabine und hab noch n Video geschaut. die beiden Biker sind irgendwann aufgestanden und der alte Schnarchsack hat Licht angemacht und gelesen, super, denk ich mir, der steht dann wohl auch gleich auf und geht, dann kann ich schlafen... endlich. Ich hab dann auch etwa ne stunde geschlafen, bin dann aber aufgewacht weil der alte sack neben mir doch tatsächlich auch wieder das Licht ausgemacht hat und weiterschläft. Scheisse, ich hab überlegt ob ich ihn wecke und sage, "junge, das ist schon halb Zehn, du verpasst das Frühstück" oder etwas in der Art. aber das hätte wohl auch nix gebracht. In stiller Verzweiflung hab ich dann einfach nur lethargisch dagelegen und auf die nächste Strafe gewartet. und so lieg ich hier immer noch mehr oder weniger. Das Schiff schaukelt, es ist 14 Uhr und der Schnarchsack schnarcht. mittlerweile ist einer der Biker auch wieder da, liegt in seiner Koje, liest und kauft Chips. knusprige, krachige, leckere und vor allem laute Chips. mir ist schwindelig, Ich hab eben in der Cafeteria Beuf Stroganoff gegessen und wollte danach mit ‘nem Kaffee an Deck um eine zu rauchen, beim Aufmachen der Tür hat allerdings der Wind die Hälfte meines Kaffees (ohne Milch im Übrigen, weil der Automat anscheinend ne Macke hat) aus dem becher auf mein Hemd und meine Jacke befördert. aber davon wollte ich mich jetzt auch nicht mehr entmutigen lassen, hab innerlich gelächelt und lasse dem Wind seinen infantilen Spaß. Etwas gehässig und Schadenfroh zünde ich mir meine Zigarette in meiner Jacke an, wo der Wind nicht hinkommt.

 

Jetzt ist es etwa 20 Uhr und ich bin zum ersten Mal alleine im Zimmer, also könnte ich Theoretisch mein Sixpack Föroya Bier leeren mich mit meiner geschmolzenen Schokolade einschmieren und auf dem Bett des Schnarchsackes zu Ricky King tanzen. aber nein, vielleicht später. den Nachmittag über hab ich an Deck gesessen und, wie auf der Hinfahrt auch schon, Wale gesehen. Das ist irgendwie eine unheimliche Erfahrung. Man steht an der Reling und denkt an nix böses und auf einmal kommt neben dir (na gut, weit weg - neben dir) etwas aus dem Wasser was so groß wie ein LKW oder ein kleines Haus (ein Bungalow in Ellerbek z.B.) ist ohne ein Geräusch zu machen und ich bin etwas erleichtert das die weitergeschwommen sind und mich nicht zur Rechenschaft gezogen haben das ich eventuell die Mami oder den Onkel Wal verspeist hab ohne mit der Wimper zu zucken. Morgen früh um 8 sollen wir in Esbjerg sein und morgen früh um sechs sollen wir aus den Kabinen raus. Einer der Biker Dänen hat eben schon angekündigt dass er morgen um 5 aufsteht um zu duschen. wahrscheinlich werde ich das dann gleich erledigen und vermutlich schließe ich dann hier auch langsam. war schön, kann man mal wieder machen.

 

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